Fr, 31.10.2014

Probleme mit neuem Kriegsschiff

Bei der Baden-Württemberg ist der Lack ab

von Bärbel Krauß

Berlin - Eigentlich soll die Fregatte Baden-Württemberg, deren Bau im Mai 2011 begonnen wurde, der Stolz der Marine werden. Das gilt nicht etwa, weil der fast 150 Meter lange und mit einer Maschinenleistung von 42 964 PS ausgestattete Stahlkoloss das größte und schnellste Schiff im Dienste der Bundeswehr werden soll, eher im Gegenteil. Die Modernität dieses Schiffes soll sich in der Verlängerung der Wartungsintervalle und der Halbierung der Besatzung erweisen – was die Flexibilität und Einsatzfähigkeit des Kriegsschiffes und der Seestreitkräfte auf ein bisher nicht gekanntes Niveau steigern soll – eigentlich.

Uneigentlich aber ist offenbar Sand ins Baugetriebe geraten, wie in verteidigungspolitischen Kreisen in Berlin zu hören ist. Die Industrie erwägt schon die feierliche Schiffstaufe zu verschieben. Sie ist mit Pauken und Trompeten und viel Prominenz auch aus dem namengebenden Land für den 5. März 2013 geplant. Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe den Termin seit Langem in seinem Kalender stehen; seine Frau Gerlinde soll, wie in Berlin gemunkelt wird, als Patin fungieren und die obligatorische Pulle gegen den Schiffsrumpf werfen. Patenschaften über Marineschiffe sind generell begehrt. Als noch ehrenvoller gilt freilich, wenn ein Land einer ganzen Fregattengeneration den Namen geben darf. Im Fall der Klasse F 125 soll dies eben der Südwesten sein.

Gründlich abgetaucht

Jetzt aber scheint bei dem Projekt schon vor dem Stapellauf der Lack ab zu sein. Im Inneren der Fregatte gibt es offenbar Probleme mit der Lackierung. Offiziell bestätigt wird das allerdings nicht. Verteidigungsministerium, Marine und das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr sind in der Sache seit 14 Tagen so gründlich abgetaucht, dass die ganze U-Boot-Flottille neidisch werden könnte.

Wie gravierend die Mängel bei der Baden-Württemberg wirklich sind, bleibt deshalb vorerst obskur. Aber bei marine- und bundeswehrkundigen Skeptikern beginnen schon die Alarmglocken zu läuten. Schließlich ist die Problemserie, mit der die jüngste Korvetten-Generation Schlagzeilen machte – defekte Getriebe und Klimaanlagen, Softwarefehler und giftige Gase im Maschinenraum –, noch nicht vergessen.



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