Sa, 26.07.2014

Pussy-Club in Fellbach

Wende im Prozess um Flatrate-Sex

von Frederike Poggel

Stuttgart - Seit März beschäftigt das Verfahren um Flatrate-Bordelle wie den Pussy Club in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) das Stuttgarter Landgericht, ein Ende zeichnet sich - anders als erwartet - vorerst nicht ab. Zwar hat der mutmaßliche Hauptdrahtzieher weitgehend gestanden, am Menschenhandel mit osteuropäischen Frauen und Sozialversicherungsbetrug in Millionenhöhe beteiligt gewesen zu sein. Nach einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten hätte der 35-jährige Rumäne in dieser Woche zu acht Jahren Haft verurteilt werden sollen. Doch ob es dazu kommt und sein Geständnis überhaupt als solches gewertet wird, ist unklar. Überraschend stellt sich jetzt die Frage: Ist der Angeklagte überhaupt schuldfähig?

In der vergangenen Woche ist der Mann von der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall in das Justizkrankenhaus Hohenasperg verlegt worden. Es besteht der Verdacht, dass er unter einer schizophrenen Erlebnisverarbeitung leidet. Die Hände in Spezialhandschuhen gebunden und mit Bauchgurt fixiert, wird der Angeklagte in den Sitzungssaal geführt. Erst als er zusichert, sich ruhig zu verhalten, lässt der Richter ihm die Fesseln abnehmen.

Schwer gefesselt sitzt er auf der Anklagebank

Der Anlass zu der vorläufigen Diagnose Schizophrenie haben verschiedene Zwischenfälle gegeben. Mehrfach gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und seinen Mitgefangenen. Auf der Anklagebank schlug er einen seiner mutmaßlichen Komplizen, er beschimpfte seine Anwälte und geriet zuletzt mit einem Litauer aneinander, der sich wegen Diebstahls von Navigationsgeräten verantworten muss.

Möglicherweise sei die Erkrankung, so denn eine vorliegt, im Zuge der seit mehr als eineinhalb Jahren andauernden Untersuchungshaft entstanden, sagt sein Verteidiger Werner Haimayer. Der ärztliche Direktor des Klinikums Hohenasperg, Hans Bisson, soll den 35-Jährigen jetzt begutachten und klären, ob er schuldfähig und fit genug ist, der Verhandlung zu folgen.

Das vorerst letzte Verfahren im Zusammenhang mit den Billigbordellen, die der Ring unter anderem auch in Berlin, Heilbronn und Schifferstadt betrieben hat, richtet sich außer gegen den 35-jährigen Rumänen noch gegen zwei seiner Landsleute. Ursprünglich waren neun Männer und eine Frau angeklagt, 22 Rumäninnen mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und zur Akkordabfertigung von bis zu 60 Freiern am Tag gezwungen zu haben. Das Verfahren gegen die Frau wurde eingestellt, die Männer sitzen bereits Haftstrafen von bis zu knapp fünf Jahren ab.



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